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Dualer Verkehr mit Hindernissen

28/10/2019 | Eine Industriekolonne mit mehr als 34 Metern transportierte die Felbermayr Projektabteilung Mitte Oktober von Steinhaus bei Wels nach Gendorf in Bayern. Mit 160 Tonnen war auch das Gewicht beachtlich, sodass sich für den Spezialtransport eine Kombination der Verkehrsträger Straße und Wasser als einzig praktikable erwies. Doch praktikabel ist nicht gleichbedeutend mit einfach – dem stählernen Hightechkoloss stellten sich zahlreiche Hindernisse in den Weg.

Ich kann mich gar nicht mehr erinnern mit 24 Achslinien in Österreich gefahren zu sein“, beginnt Jürgen Steinbrecher von der Felbermayr Abteilung seine Ausführungen. Und als Projektant in der sogenannten THP-Abteilung sind so ziemlich alle schweren Fälle der vergangenen zwanzig Jahre über seinen Schreibtisch gewandert, bevor sie in die Praxis umgesetzt wurden. „Und die Praxis ist häufig auch das Problem“, weiß Steinbrecher. So war es auch diesmal, dass nach einer Vorbereitungszeit von einem Dreivierteljahr alles geklärt schien: Die Strecke war vermessen, Brücken statisch berechnet, die Kraneinsätze zum Umschlag der Industriekolonne koordiniert und alle verkehrslenkenden Maßnahmen zeitlich getaktet. Doch dann, als der mehr als 55 Meter lange Transport schon mit Zug- und Schubmaschine zur Abfahrt beim Versender geparkt war, ergab sich plötzlich noch eine Baustelle auf der ersten Etappe zwischen Steinhaus bei Wels und dem Felbermayr Schwergutterminal in Linz. Um den Individualverkehr so wenig wie möglich zu behindern stand nur ein begrenztes Zeitfenster zu Verfügung.  Da kann es bei einer Transportbreite von 4,4 Metern schnell einmal eng werden und lange, zu lange dauern um das Problem zu beheben. „Glücklicherweise haben wir mit der Asfinag (Autobahnen- und Schnellstraßen-Finanzierungs-Aktiengesellschaft) immer wieder praktikable Lösungen finden können, so auch diesmal“, sagt Steinbrecher, wenngleich in Anbetracht der gesamten Logistikkette und damit verbundener Herausforderungen auch große Anstrengungen für derartige Hürden von Nöten sind.

Unterwegs auf Schiff und Straße

„Aufgrund des Reaktorgewichts von 160 Tonnen und einiger Steigungen mit etwa zehn Prozent entschieden wir uns für den Einsatz einer Zug- und Schubmaschine“, berichtet Steinbrecher. Für eine bestmögliche Traktion der beiden jeweils etwa 600 PS starken Lkw waren sie noch auf jeweils 35 Tonnen aufballastiert. „Hätten wir mit nasser Fahrbahn rechnen müssen wäre noch eine weitere Schubmaschine zum Einsatz gekommen“, setzt Steinbrecher fort. Die erste Etappe von Steinhaus bei Wels bis zum Felbermayr-Schwergutterminal in Linz führte größtenteils über die Autobahn. Dennoch waren Hubsteiger, Leitern und Hebestangen ständige Begleiter des Trosses, um Lichtraumprofile unter Brücken kontrollieren und Leitungen gefahrlos unterfahren zu können.

In Linz angekommen wurde der Reaktor von 24-achsigen Tieflader auf ein Binnenschiff umgeschlagen. Der weitere Transport führte etwa neunzig Kilometer stromaufwärts nach Passau (D). Dort wurde der Behälter mit einem Hafenkran und einem 500-Tonnen-Kran vom Schiff auf den zwischenzeitlich auf zwanzig Achsen reduzierten Tieflader umgeschlagen. „Die Reduktion der Achsen sei aufgrund statischer Bedingungen in Deutschland möglich gewesen“, erklärt Steinbrecher und fügt hinzu, dass das auch das Vorankommen aufgrund eines reduzierten Kurvenradius vereinfache. Doch die nötigen Maßnahmen für die verbleibenden 80 Kilometer von Passau bis zum Zielort Gendorf sind dennoch beachtlich. So waren vielerorts Stahlplatten zum Auslegen, um unterirdische Rohrleitungen und Straßenbankette zu schonen, Bahnschienen zu queren, Schilder zu entfernen, Halteverbote einzurichten und rund ein Dutzendmal die Transportgarnitur geplanter Weise zu stürzen, was so viel wie eine Richtungsänderung des Transports bedeutet, da andernfalls ein weiterkommen nicht mehr möglich wäre. Schlussendlich gelang es den Zielort im bayerischen Gendorf in der geplanten Zeit von nur sieben Transporttagen zu erreichen. Dazwischen liegen 250 Kilometer mit zahlreichen individuellen Entscheidungen, die dank eines eingespielten Teams von rund 20 Mitarbeitern und kooperativer beteiligter Unternehmen allesamt gemeistert werden konnten.

Das Finale, die Fundamentstellung des etwa 34 Meter langen Behälters mit einem Durchmesser von rund vier Metern, bewerkstelligten zwei Felbermayr-Krane, vom Hersteller Liebherr, mit 750 beziehungsweise 400 Tonnen maximaler Traglast.

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