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Kraftwerksbau an der Traun

20/06/2019 | Nach rund zwei Jahren Bauzeit gehen die Arbeiten zur Errichtung des Ersatzneubaus des Kraftwerks Traunleiten bei Wels in die Zielgerade. Anfang kommenden Jahres soll das durch den Felbermayr-Ingenieurtiefbau in einer Arge errichtete Kraftwerk ans Netz gehen und 90 Gigawattstunden Ökostrom jährlich produzieren.

Seit 1899 wird im oberösterreichischen Traunleiten nahe Wels Strom produziert. Trotz kontinuierlicher Modernisierungen in die Anlagentechnik und ökologischer Maßnahmen seien laut Betreiber Wels Strom neuerliche Investitionen wirtschaftlich nicht mehr sinnvoll gewesen. Deshalb habe man nach Abschluss mehrjähriger Genehmigungsverfahren den Startschuss zu einer Großinvestition und somit einem Ersatzneubau des als Laufkraftwerk konzipierten Objekts gegeben. 

Größtes Kraftwerksprojekt Österreichs

„Die Baustelle startete im Juli 2017 mit den Vorbereitungsarbeiten und der Baustelleneinrichtung“, sagt Bauleiter Sebastian Holasek vom Felbermayr-Ingenieurtiefbau über die derzeit größte Kraftwerksbaustelle Österreichs. Im Anschluss wurde das Baufeld sowohl oberwasser- als auch unterwasserseitig mithilfe sogenannter Fangedämme trockengelegt. Diese wurden mit Schotter, Wasserbausteinen und teilweise auch mit Spundwänden hergestellt. Im Oktober wurde dann mit dem Voraushub im Bereich des neuen Krafthauses sowie mit den Abbruch- und den Erdarbeiten für das neue Einlaufbauwerk des Werkskanals begonnen. Das Einlaufbauwerk besteht nun aus drei Schützen, um den Durchfluss von 150 Kubikmetern pro Sekunde gewährleisten zu können. Um diesen gewünschten Durchfluss sicherzustellen, musste das Stauziel des etwa zwei Kilometer langen Triebwasserkanals um 20 Zentimeter angehoben werden. Das führte zu einer Erhöhung der Begleitdämme sowie einer Vergrößerung des Kanalprofils. Zusätzlich wurden die Schotterspülschleuse und Teile der Kanalsohle und -böschung abgedichtet. Auch die Wehranlage wurde erneuert. Diese besteht aus zwei Wehrklappen mit einer Länge von insgesamt 95 Metern. 

Das Kraftwerk selbst besteht aus dem Rechenbauwerk, dem Krafthaus und einem Leerschuss. „Im Krafthaus befinden sich zwei horizontale Kaplanturbinen, welche pro Jahr eine Leistung von rund 90 Gigawatt erzeugen und somit eine Stadt wie Wels mit Strom versorgen können“, erklärt Holasek und fügt hinzu, dass das nahezu einer Verdoppelung der installierten Leistung entspricht. Die Baugrube des Krafthauses wurde mittels Bohrpfählen, Spritzbeton und Litzenankern gesichert. „Das Krafthaus hat eine Länge von 84 Metern, eine Breite von 23 Metern, eine Höhe von 32,5 Metern sowie eine Fallhöhe von 13,9 Metern“, nennt Holasek beeindruckende Dimensionen. Doch damit nicht genug, denn auch der Rechen ist mit einer Länge von 70 Metern bemerkenswert und somit der längste in Europa.

Ökologische Verantwortung

Ergänzend zur Optimierung der technischen Parameter legte man seitens Wels Strom auch größten Wert auf eine weitere Optimierung in ökologischer Hinsicht. So habe man laut Wels Strom-Geschäftsführer Friedrich Pöttinger in eine moderne Fischauf- und Fischabstiegsanlage investiert, um eine verbesserte ökologische Durchgängigkeit zu erreichen. Ergänzend dazu wurde oberhalb der Wehr an der Stauwurzel eine 350 Meter lange Ruhe- und Laichzone für Wasserorganismen errichtet. Weiters wurde auf dem Gelände des im „Natura-2000“ und im „Europäischen Vogelschutzgebiet“ befindlichen Kraftwerks auch ein Bruthügel errichtet sowie der Baumbestand etwa verdoppelt. Mensch und Umwelt profitieren also gleichermaßen vom Ersatzneubau und das über Generationen.

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