Felbermayr versetzt Wohnhaus  Slider

Millimeterarbeit im Mühlviertel

 

30. März 2026 | Moritz Glück

Ende März stemmten die Schwerlastspediteure mit XXL-Fuhrpark einen Umzug der besonderen Art – ohne Kartons, dafür mit rund 25 Tonnen Ballast. Die oberösterreichische Gemeinde Grünbach im Bezirk Freistadt wurde Zeuge eines spektakulären Schwerlasteinsatzes. Die Experten der Felbermayr Transport- und Hebetechnik versetzten kurzerhand ein ehemaliges Wohnhaus. Ein Projekt, das selbst für erfahrene Heavy-Lift-Profis alles andere als alltäglich war.

Die sonst beschauliche ländliche Idylle der knapp 2.000-Einwohner-Ortschaft im Mühlviertel wurde an zwei Tagen im März durchbrochen, als plötzlich ein ganzes Wohnhaus am Kranhaken hing. „So einen Umzug habe ich in meinen 36 Berufsjahren auch noch nicht erlebt“, scherzt Projektleiter Herbert Gruber von der Abteilung Montage Linz. Bereits am Vortag des eigentlichen Hubs begann die Vorbereitung für den spektakulären Einsatz.

Begrenzter Raum für große Technik
Noch bevor der Kran seine Arbeit aufnehmen konnte, war Improvisation gefragt. Die Zufahrt zum Grundstück erwies sich als entscheidende Hürde. Schmale Wege und begrenzte Platzverhältnisse ließen wenig Spielraum für die Schwerlasttechnik. Wo normalerweise Kinder zur Schule gehen, schob sich ein rund 115 Tonnen schwerer Mobilkran über den Parkplatz der Schule. Erst durch den Bau einer rund 100 Meter langen Zufahrtsstraße konnte das Gerät überhaupt in Position gebracht werden.

Gegen Mittag wurde der Mobilkran des Typs LTM 1150 aufgebaut – ausgestattet mit 165 Tonnen Vollballast und Teleabspannung. „Solche Projekte beginnen lange vor dem eigentlichen Hub. Die Vorbereitung entscheidet darüber, ob am Ende alles reibungslos funktioniert“, erklärt Gruber und führt weiter aus: „Enge Platzverhältnisse und der Anspruch, alles unversehrt zu hinterlassen, verlangten bereits in dieser Phase höchste Sorgfalt.“

Ein Haus am Haken
Am 25. März folgte der eigentliche Höhepunkt: der Hub des Holzhauses. Was für Außenstehende möglicherweise wie ein einfacher Hebevorgang wirkt, ist in Wahrheit ein hochkomplexer Prozess. Zunächst galt es, den exakten Schwerpunkt des Gebäudes zu ermitteln – keine triviale Aufgabe bei einem solchen Bauwerk. „Wir haben das Haus immer wieder ein Stück angehoben, sieben- bis achtmal insgesamt, bis klar war, wie sich die Last verteilt. Erst dann konnten wir es exakt ausbalancieren“, so Gruber. Kettenzüge, die seitlich am Gebäude angebracht wurden, dienten dazu, die Ausrichtung fein zu justieren, bis es exakt „im Maß“ hing.

Speziallösungen für sensible Lasten
Besonderes Augenmerk galt dem Schutz der Bausubstanz. Statt herkömmlicher Rundschlingen kamen speziell angeschaffte, extra breite Hebegurte zum Einsatz. Diese verteilen die Last großflächig und verhindern Beschädigungen an der Holzstruktur. Bereits im Vorfeld wurde das Haus gemeinsam mit Statikern genau analysiert. Anschlagpunkte wurden definiert, der Schwerpunkt berechnet und sämtliche Hebeprozesse im Detail geplant. Parallel dazu fanden zahlreiche Abstimmungen mit Bauunternehmen und Zimmerei statt – ein Zusammenspiel vieler Gewerke, das am Ende den Unterschied macht.

Präzision bis auf den letzten Millimeter
Als das Haus schließlich perfekt ausbalanciert in den Gurten hing, begann die eigentliche Millimeterarbeit: Der Kran schwenkte die rund 25 Tonnen schwere Konstruktion um mehr als 180 Grad in Richtung des neuen Fundaments. Langsam, kontrolliert und unter den aufmerksamen Augen der Anrainer wurde das Gebäude an seine neue Position geführt. Millimeter für Millimeter wurde das Haus auf das vorbereitete Fundament abgesenkt – ein Vorgang, bei dem feinstes Fingerspitzengefühl des Kranführers gefragt war.

Planung als Schlüssel zum Erfolg
Trotz der außergewöhnlichen Aufgabe verlief das Projekt ohne Komplikationen. Für Gruber liegt der Grund klar auf der Hand: „Die größte Herausforderung war in diesem Fall keine technische, sondern die perfekte und lückenlose Vorbereitung. Wenn alle Schritte im Vorfeld sauber geplant sind und die Zusammenarbeit funktioniert, folgt auch ein außergewöhnlicher Hub wie dieser denselben Gesetzmäßigkeiten.“

Ein neues Kapitel
Das Wohnhaus blickt auf eine lange Geschichte zurück: Über Jahrzehnte hinweg war es mehr als nur ein Gebäude – es war ein Zuhause. Hier wurde gelebt, gearbeitet, Erinnerungen wurden geschaffen. Ein Teil des Hauses wurde bereits abgetragen, doch der Eigentümer entschied sich bewusst gegen einen kompletten Neubau. Stattdessen sollte das Vertraute erhalten bleiben – der Kraneinsatz brachte die Lösung.

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