Internationales Instandhaltungsprojekt
11. August 2025 | Moritz Glück
Von 10. Mai bis 12. Juli 2025 stand die Produktion in Pirdop still – jeder einzelne Tag bedeutete Verluste von rund einer Million Euro. „Entsprechend hoch war der Druck, den eng getakteten Zeitplan einzuhalten. In der Vergangenheit konnte ein einzelner Filter in 45 Tagen ersetzt werden, in Pirdop mussten gleich zwei 450-Tonnen-Kolosse in nur 62 Tagen getauscht werden“, schildert Yordan Georgiev, General Manager Felbermayr Bulgarien, und zeigt die Dimension des Vorhabens auf. Damit markiert der planmäßige Wartungsstillstand das größte Instandhaltungsprojekt der vergangenen drei Jahrzehnte am Standort. Für Südosteuropa ist das ein Meilenstein in der Kupferproduktion
Beeindruckende Hebetechnik
Die Gesamtverantwortung der Hebetechnik lag bei Felbermayr Bulgarien, mit tatkräftiger Unterstützung durch die Felbermayr- Kollegenschaft aus Rumänien. Hauptdarsteller dieses Projekts mit Blockbuster- Charakter war ein 750-Tonnen-Raupenkran – kraftvoll genug, um am Stück rund 190 Elefanten zu heben und zugleich feinfühlig bis auf den Millimeter, um die neuen Filter exakt zu positionieren. Begleitet wurde der Raupenkran von einem 650-Tonnen-Autokran, der unter anderem den Bau eines Brückenkrans ermöglichte und so die weiteren Schwerlastmanöver absicherte. Zudem war der parallele Einsatz zweier 600-Tonnen-Raupenkrane gefragt. Als sich kurz vor Projektbeginn abzeichnete, dass einer davon nicht zur Verfügung stand, konnte – koordiniert durch die Felbermayr-Zentrale in Wels – binnen weniger Tage Ersatz aus Polen organisiert werden. Für Auftraggeber Aurubis zeigte sich damit deutlich: Ein Partner wie Felbermayr überzeugt durch Flexibilität und Verlässlichkeit – und ist nicht nur eine Voraussetzung, sondern nahezu eine Garantie für eine erfolgreiche Umsetzung.
120 Einzelprojekte
Ergänzend zum Austausch der Elektrofilter wurden in der Schwefelsäureproduktion sechs Wärmetauscher mit Gewichten zwischen 100 und 150 Tonnen ersetzt. Eine besondere Herausforderung stellte zudem die vollständige Erneuerung des Schmelzofens dar: Über 100 Lkw-Ladungen mit 1.500 Tonnen feuerfesten Ziegeln, 300 Tonnen Stahlkonstruktionen und 15 Kilometer Kupferrohre mussten dafür verbaut werden. Insgesamt wurden während des zweimonatigen Stillstands mehr als 120 Einzelprojekte mit einem Gesamtvolumen von 115 Millionen Euro umgesetzt – eine Dimension, die selbst für internationale Maßstäbe außergewöhnlich ist.
Präzision unter Zeitdruck
„Ein straffer Zeitplan und die enormen Lasten machten dieses Projekt zu einer besonderen Bewährungsprobe. Jeder Handgriff musste sitzen, jeder Arbeitsschritt war minutiös geplant. „Jeder zusätzliche Einsatztag hätte Produktionsausfälle in Millionenhöhe verursacht. Der Druck war enorm – das hat uns motiviert, noch präziser und effizienter zu arbeiten“, beschreibt Georgiev die herausfordernde Situation.
Auf dem Werksgelände befanden sich insgesamt 19 Krane und mehr als ein Dutzend Arbeitsbühnen im Einsatz. Schon bei Projektstart war klar: Zehn Krane mussten rund um die Uhr im Einsatz sein – samt Bedienpersonal. Eine weitere Bewährungsprobe stellte demnach die Bereitstellung eigener Mitarbeiter, um den „24/7-Betrieb“ langfristig abzusichern. Trotz des groß angelegten Arbeitsumfangs mit hunderten von Fachkräften im Einsatz verlief das Projekt ohne nennenswerte Zwischenfälle – das Ergebnis einer über ein Jahr laufenden Vorbereitung, an der rund 2.000 Spezialisten aus zwölf Ländern beteiligt waren. Für Georgiev war es beeindruckend zu sehen: „Wie schnell sich unsere Abteilungen aus Bulgarien und Rumänien zu einer Einheit formiert und dann einen Monat lang im Schichtbetrieb rund um die Uhr auf Hochtouren gearbeitet haben. Eine logistische, technische und vor allem menschliche Meisterleistung, die man nicht jeden Tag erlebt.“
Modernisierung mit Signalwirkung
Für Aurubis markiert die Modernisierung in Pirdop einen wichtigen Schritt in Richtung Zukunft. Die neuen Anlagen arbeiten effizienter, sicherer und mit deutlich besserer Energiebilanz. Auch für Felbermayr war das Projekt eine Referenzleistung von internationalem Rang. „Das Projekt in Pirdop ist ein starkes Zeichen: Wir können mit unserer Technik und unserem Know-how selbst größte Industrieprojekte absichern – und das international koordiniert“, unterstreicht Georgiev.
Nach 62 arbeitsintensiven Tagen konnte das Werk Pirdop seine Produktion wieder aufnehmen – mit modernisierter Technologie und gesicherter Zukunftsfähigkeit. Für Felbermayr war der Einsatz ein weiterer Beweis dafür, wie internationale Teams, modernste Technik, getragen von einem hohen Präzisionsanspruch, selbst unter anspruchsvollen Bedingungen Großes leisten können.
