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Von der Sohle bis zum Kraftwerk – Oberwasserkanal saniert

 

17. Dezember 2025 | Moritz Glück

Seit Mitte Juni modernisiert der Hoch-, Industrie- und Kraftwerksbau von Felbermayr den Oberwasserkanal des Wasserkraftwerks Kleinmünchen. Bis Dezember 2025 entsteht auf einer Fläche von mehr als fünf Hektar eine neue Sohlplatte aus Faserbeton, die den Betrieb für Jahrzehnte nachhaltig sichert.

Das Wasserkraftwerk Kleinmünchen ging 1978 in Betrieb und liefert seither Ökostrom für rund 20.000 Haushalte. Das Wasser wird über eine Wehranlage aus der Traun entnommen und über den Oberwasserkanal zum Krafthaus geführt, wo die angekoppelten Generatoren zweier Rohrturbinen eine Leistung von etwa zehn Megawatt erzeugen. Nach mehr als vier Jahrzehnten Betriebsdauer und zwölf Jahren seit der vorläufig letzten Sanierung stand nun eine umfassende Instandsetzung des Kanals an.

Trockenlegung und Dammbau
Für die Durchführung der Arbeiten wurde der Oberwasserkanal vollständig trockengelegt. Dazu errichteten die Kraftwerksbauspezialisten von Felbermayr mehrere temporäre Dammbauwerke – darunter Schütt-, Schutz- und Hochwasserdämme – sowie Pumpen und Pumpleitungen zur Ableitung von Reinigungs- und Niederschlagswasser. „Die vollständige Trockenlegung ist im Kraftwerksbau die Ausnahme, denn jede Stunde, in der kein Strom erzeugt wird, kostet“, erklärt Felbermayr-Bauleiter Hubert Feuerhuber. Mit dem Schüttdamm oberhalb der Einmündung und einem Enddamm vor den Turbineneinläufen konnte der Wasserabfluss gezielt kontrolliert werden. „Damit schaffen wir definierte, trockene Bauabschnitte und halten gleichzeitig ausreichende Reserven für Niederschlagsereignisse vor“, erläutert Feuerhuber.

Reinigung und Vorbereitung der Kanalsohle
Nach Abschluss der Trockenlegung begann im Juli 2025 die aufwendige Reinigung des Kanals. Dabei kamen Bagger mit Langarm und Anbaubürste sowie Hochdruck-Spezialgeräte zum Einsatz, um Sedimente, Algen und Ablagerungen zu entfernen. „Erst wenn die Sohle sauber und frei von Rückständen ist, greifen unsere Folgegewerke. Die Vorbereitung entscheidet hier maßgeblich über die Qualität der neuen Sohlbetonplatte“, betont Feuerhuber. Parallel dazu wird ein Schutzvlies auf einer Fläche von rund fünf Hektar verlegt. Das entspricht der Fläche von rund zehn Fußballfeldern, merkt Feuerhuber an und beschreibt damit die Dimensionen eindrucksvoll. Das Vlies wirkt als Schutz- und Trennlage und gewährleistet eine gleichmäßige Betonauflage.

Sohlbeton über die gesamte Kanalstrecke
Im Anschluss starteten die Betonierarbeiten für die neue Sohlbetonplatte. Der drei Kilometer lange Sanierungsabschnitt weist eine Sohlenbreite zwischen 7 und 63 Metern auf. In diesem Bereich wurde eine 15 Zentimeter starke Bodenplatte aus insgesamt 7.500 Kubikmetern Faserbeton eingebaut. Im Anschluss wurde die Betonoberfläche auf einer Fläche von rund fünf Hektar mittels sogenannter Akku-Rüttelpatschen abgezogen und mit Aufsitz-Flügelglättern geglättet. Für die Betoneinbringung war der Zugang zum Kanal nur einseitig möglich, daher erfolgte die Betonförderung über eigens eingerichtete Pumpleitungen mit bis zu 140 Metern Länge.

Begleitende Instandsetzungs- und Schutzmaßnahmen
Zusätzlich zur Betonierung der Sohlplatte führte Felbermayr umfangreiche Betoninstandsetzungen an den Kanalböschungswänden und der Wehranlage sowie am Krafthausgebäude durch. Während der Arbeiten blieb der Kraftwerksbetrieb stillgelegt, sodass parallel Instandsetzungsmaßnahmen an Turbinen und Nebenanlagen durch die Linz AG erfolgen konnten. Zum Schutz der Gewässerökologie wurden beim stufenweisen Abstauen durch externe Spezialisten sämtliche Fisch- und Krebsbestände abgefischt. „Technik und Ökologie gehören für uns zusammen: Wir planen die Bauabläufe so, dass der menschliche Einfluss minimiert wird und entsprechende Schutzmaßnahmen wirksam greifen“, unterstreicht Feuerhuber.

Bautechnische Herausforderung 
Die Verwendung von faserbewehrtem Beton anstelle herkömmlicher Mattenbewehrung auf einer PVC-Verbundstoffabdichtung gewährleistet eine erhöhte Lebensdauer bei reduziertem Materialeinsatz. Für Feuerhuber ist klar: „Faserbeton verkürzt die Einbauzeiten, reduziert Fugenrisse und verringert den Bewehrungsaufwand. Das erhöht die Beständigkeit in Ausführung und Betrieb und bildet damit ein ideales Beispiel für effizientes und nachhaltiges Bauen im Kraftwerksbereich.“

Starke Niederschläge im Juli 2025 stellten das Projektteam zusätzlich auf die Probe. Um Schäden an der Bestandssohle durch ansteigendes Grundwasser zu vermeiden, wurde der Einbau der Sohlbetonfelder forciert. „Bei steigendem Pegel ist das Tempo entscheidend, die Qualität darf darunter jedoch nicht leiden“, hält Feuerhuber fest.

Inbetriebnahme vor Weihnachten
Bis Mitte Dezember 2025 sollen alle Arbeiten abgeschlossen und der Kanal wieder aufgestaut sein. Danach fließt das Wasser erneut zum Krafthaus, wo die beiden Rohrturbinen künftig wieder rund 70.000 Megawattstunden  Strom pro Jahr erzeugen – sauber, nachhaltig und dank der bautechnischen Präzision von Felbermayr bereit für die nächsten Jahrzehnte. „Unser Ziel ist ein dauerhaft belastbares Bauwerk. Die neue Sohlplatte bildet das entsprechende Fundament für einen stabilen Betrieb in den kommenden Jahrzehnten“, blickt Feuerhuber in die Zukunft. 

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