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Spektakulärer Balanceakt für Hochwassersperrtor

 

29. July 2022

Der Felbermayr Bereich Engineered Solutions erhielt den Auftrag zur Demontage eines alten Hochwassersperrtors bei Ladenburg am Neckar. Die Herausforderung: Bei äußerst engen Platzverhältnissen sollte die rund 210 Tonnen schwere Konstruktion wasserseitig demontiert werden. Im Juli war es dann soweit – unter großem Aufsehen ging die Aktion mit einem Balanceakt am Wasser in die heiße Phase.

Der Blick auf die Baustellensituation vor den Demontagearbeiten verdeutlicht die Problemstellung: Eingezwängt zwischen dem neuen Hochwassersperrtor und einer Brücke befindet sich das alte, rund 45 Meter lange und etwa 210 Tonnen schwere Sperrtor, das im Jahr 1931 in Betrieb genommen wurde. „Unsere Vorgabe war, das Sperrtor in einem Stück auszubauen. Wir mussten also eine Lösung finden, mit welcher der Verschluss an Ort und Stelle aus den Lagern gehoben und anschließend für den Abtransport auf dem Wasser horizontal gedreht werden konnte“, erklärt Felbermayr-Bereichsleiter Kees Kompier von Engineered Solutions.

Ganz Ladenburg war im Juli auf den Beinen, um diese spektakuläre Demontage des 45 Meter breiten und etwa 5,1 Meter hohen Sperrtors mitzuerleben. Denn schließlich schützte es die Anrainer des mehrerer kilometerlangen Seitenkanals fast 100 Jahre vor Hochwasser.  

Wasserseitige Demontage

Um die Demontage vom Wasser aus durchführen zu können, setzten die Felbermayr-Experten als schwimmendes Gerät ein 66 Meter langes und elf Meter breites Ponton ein. Dieses wurde vor Ort mit Seitenpontons erweitert, um die notwendige Stabilität zu gewährleisten. „Darauf positioniert waren der Länge nach zwei sechsachsige SPMT-Module (Selbstfahrer) mit je zwei sogenannten Elefantenfüßen, die mit zwei Stahlträgern versehen wurden, welche später das Sperrtor aufnehmen sollten. Außerdem wurde ein Stapelhubsystem aus vier 3,8 Meter hohen Stapeltürmen vorbereitet. Auf diesen sollte es später laut Engineering-Plan zum Ausfahren abgesetzt werden“, erklärt Kompier.

Nach Abschluss der vorbereitenden Arbeiten wurde die Pontonkombination mittels sechs Winden exakt unter dem alten Sperrtor positioniert und übernahm in weiterer Folge durch das Lenzen von Ballastwasser schon etwa zwanzig Prozent des Lastgewichts.

Durch weiteres Lenzen und unter Ausnutzung des Hubs der SPMT-Module erfolgte dann am nächsten Tag das Ausheben des Sperrtors. „Dieses wurde dazu um etwa 1,7 Meter angehoben, sodass sich die Konstruktion etwa zehn Zentimeter über Gebäude-Niveau befand. Anschließend konnte es mittels der SPMT um 26 Grad in Richtung der Stapeltürme gedreht und auf diesen abgesetzt werden“, beschreibt Kompier.

Nachdem das Sperrtor danach auf 1,2 Meter über Deckniveau abgestapelt worden war, übernahmen wieder die SPMT-Module die Last und wurden dann komplett abgesenkt. Dadurch und durch Aufnahme von Ballastwasser kam die Pontonkombination so tief, dass das alte Sperrtor mit etwa „fünfzehn Zentimeter Luft“ unter das neue Hochwassersperrtor gedreht und mittels Schubschiff zum Kai geschwommen werden konnte.

Abschließend erfolgten die Vorbereitungen für den Transport auf dem Neckar nach Mannheim. Das Sperrtor wurde dazu direkt auf dem Stapelhubsystem abgesetzt und die jetzt nicht mehr benötigten Träger und die SPMT-Module wurden demontiert und für den Abtransport verladen.

Nachdem die Fracht dann noch bis auf das Deck des Pontons abgestapelt worden war, konnte die letzte Etappe der Erfolgsgeschichte in Angriff genommen werden – nach der Freigabe der Neckar, aufgrund der jährlichen Sperrpause für Wartungsarbeiten erreichte das alte Hochwassersperrtor noch am gleichen Tag den Umschlagplatz in Mannheim, wo es zur Verwertung abtransportiert wurde.

„Ich bin immer wieder begeistert, wenn wir solche Herausforderungen meistern. Aber mit einem kompetenten Team, Kreativität, Präzision und überragender Technik machen wir auch das unmöglich scheinende möglich“, so Kees Kompier abschließend.