Hub- und Montageeinsatz für Elektrostahlwerk in Linz
22. Juni 2026 | Moritz Glück
Mit dem Investitions- und Transformationsprogramm „TransMet“ stellt die Voestalpine die Weichen für die Zukunft der Stahlproduktion. Ab 2027 sollen Elektrolichtbogenöfen einen wesentlichen Beitrag zur kohlendioxidreduzierten Stahlherstellung leisten. Für die Umsetzung des Großprojekts sind zahlreiche Unternehmen und Gewerke gleichzeitig gefordert. Mittendrin: die Felbermayr Transport- und Hebetechnik.
Seit April vergangenen Jahres begleitet Felbermayr die Errichtung des neuen Elektrostahlwerks in Linz. Die Aufgaben reichen dabei von klassischen Hubleistungen über die Einbringung mittels 14-achsiger selbstfahrender Schwerlastmodule bis hin zu komplexen Montageeinsätzen.
Anlagenbau im XXL-Format
Bereits beim Hallenbau übernimmt das Team rund um Niederlassungsleiter Michael Maier-Bauer eine Schlüsselrolle. Insgesamt entstehen drei Hallenschiffe für die künftige Stahlproduktion. Schon für die Montage der Kranbahnen werden 22 Kranbahnträger mit Einzelgewichten von bis zu 90 Tonnen durch einen 750-Tonnen-Raupenkran eingehoben. Zusätzlich montieren die Spezialisten insgesamt sechs Hallenkrane. Vier davon wurden bereits installiert. Aktuell realisieren die Experten vom Felbermayr-Bereich Engineered Solutions einen weiteren Hallenkran, ein sechster befindet sich bereits in Planung.
Auch bei den Anlagenkomponenten für die Elektroöfen ist die Schwerlastkompetenz aus dem Hause Felbermayr gefragt. So wurden unter anderem zwei 95 Tonnen schwere Dampfspeicher, eine Dampftrommel sowie die insgesamt aus fünf Einzelkomponenten bestehende Ofenwiege montiert. Das schwerste Einzelteil der Ofenwiege brachte dabei 47 Tonnen auf die Waage. Die notwendige Zugangstechnik stellte Felbermayr mit Hubarbeitsbühnen aus Niederlassungen in ganz Österreich. Dabei kamen Geräte mit Arbeitshöhen von bis zu 103 Metern zum Einsatz. Zu Spitzenzeiten waren insgesamt 55 Stapler und Bühnen gleichzeitig im Einsatz.
Besonders aufwendig gestalteten sich die Arbeiten aufgrund der beengten Platzverhältnisse. „Viele Bauteile müssen auf engstem Raum millimetergenau positioniert werden. Die richtige Technik zum richtigen Zeitpunkt bereitzustellen, ist dabei entscheidend“, sind sich Einsatzleiter Karl Berghuber und Maier-Bauer einig.
Schwergewichte in luftiger Höhe
Eine Schlüsselrolle im Anlagenbau nimmt die Entstaubungsanlage des neuen Elektrostahlwerks ein. Die einzelnen Komponenten erreichen Gewichte von bis zu 110 Tonnen und werden in Höhen von mehr als 40 Metern montiert. Für diese Arbeiten kam die gesamte Palette an Kranen – vom 45-Tonnen-Citykran bis zum 650-Tonnen-Mobilkran – zum Einsatz. Einzelne Montageabschnitte erforderten sogar Tandemhübe mit zwei 650-Tonnen-Kranen.
Ein Moment blieb Maier-Bauer dabei besonders in Erinnerung: der Einhub eines rund 65 Tonnen schweren Bauteils der Entstaubungsleitung Ende April. Das Bauteil wurde zunächst angehoben, anschließend präzise in eine Stahlkonstruktion eingefädelt und schließlich um 90 Grad gedreht, um an die bestehende Entstaubungsanlage angeschlossen werden zu können. „Für diesen Hub haben wir beinahe einen ganzen Arbeitstag benötigt. Das Bauteil musste millimetergenau durch die bestehende Stahlkonstruktion geführt werden. Da fühlt man sich manchmal tatsächlich wie beim Einfädeln eines Fadens durch ein Nadelöhr, nur dass dieser Faden einen Durchmesser von mehr als sechs Metern hat“, erinnert sich Maier-Bauer.
Zahlreiche Gewerke
Die eigentliche Komplexität liegt jedoch weniger in einzelnen Hüben, als vielmehr in der Abstimmung der zahlreichen Abläufe auf einer Großbaustelle. Unterschiedliche Gewerke, hunderte Mitarbeitende, mehrere ausführende Unternehmen sowie laufend wechselnde Baufortschritte müssen dabei präzise aufeinander abgestimmt werden. „Liefertermine verschieben sich, Montagefenster ändern sich kurzfristig und freie Stellflächen sind rar. Jede Anpassung kann Auswirkungen auf nachfolgende Arbeitsschritte haben. Oft müssen wir dabei sehr flexibel reagieren“, beschreibt Maier-Bauer und fügt wertschätzend hinzu: „Dafür braucht es auch Mitarbeiter, auf die man sich hundertprozentig verlassen kann. Damit sind wir bestens ausgestattet.“
Diese Verlässlichkeit macht Felbermayr zu einem wichtigen Partner auf der Baustelle. Verstärkung erhielt die Niederlassung Linz durch den Felbermayr-Bereich Engineered Solutions. Anfang Juni unterstützen die Kollegen aus Krefeld bei der Montage eines Hallenkrans mit einem Litzenhubsystem.
Multimodal
Auch logistisch besitzt das Projekt internationale Dimensionen. Zahlreiche Komponenten werden aus Polen, Italien oder Tschechien angeliefert. Neben Transporten auf der Straße werden auch einige Anlagenteile über den Seeweg ins Schwerlastterminal geliefert. Die multimodalen Transportkonzepte der Felbermayr Group sorgen dafür, dass die großdimensionierten Bauteile termingerecht in das Werksgelände eingebracht werden können.
Industrieprojekt mit Signalwirkung
Für Maier-Bauer zählt das neue Elektrostahlwerk zu den bedeutendsten Felbermayr-Projekten der vergangenen Jahre. „Selten treffen so viele Felbermayr-Kompetenzen auf einer einzigen Baustelle zusammen. Vom Schwertransport über die Einbringung bis hin zu komplexen Hub- und Montagearbeiten ergänzen sich die Kompetenzen des Felbermayr-Leistungsspektrums perfekt“, betont Maier-Bauer. Mit der geplanten Fertigstellung Anfang 2027 werden die umfangreichen Hub-, Montage- und Logistikleistungen einen wichtigen Beitrag zur Realisierung des neuen Elektrostahlwerks geleistet haben.